Kokowääh – Filmkritik

In seinem neuesten Film Kokowääh greift Til Schweiger ein ziemlich allgegenwärtiges Thema auf – Kinder die plötzlich zwei Väter haben: einen leiblichen und einen Stiefvater.

Kurz zur Handlung:

“Drehbuchautor Henry (Til Schweiger) hangelt sich von einer glücklosen Liebschaft zur Nächsten und beruflich kommt er auch auf keinen grünen Zweig. Wie aus heiterem Himmel erhält er ein sensationelles Angebot: er soll als Co-Autor an einer Bestsellerverfilmung arbeiten – zusammen mit der Autorin, seiner Ex-Freundin und großen Liebe Katharina (Jasmin Gerat). Während Henry auf seine große zweite Chance hofft, taucht plötzlich die 8-jährige Magdalena (Emma Schweiger) vor seiner Wohnungstür auf und stellt sein Leben auf den Kopf. Sie soll seine Tochter aus einem vergessenen One-Night-Stand sein und Henry soll sich erst mal – solange die Kindsmutter Charlotte (Meret Becker) in den USA eine Gerichtsverhandlung hat – um Magdalena kümmern. Henry ist genauso wie Tristan (Samuel Finzi), der sich bisher für den Vater der Kleinen hielt, mit der neuen Situation überfordert.

Von jetzt auf gleich Vater werden ist nicht leicht. Erst recht, wenn man nebenher das Buch seines Lebens schreiben und seine große Liebe zurück gewinnen muss…” (Warner Bros.)

Ich will jetzt nicht näher auf die Handlung im Einzelnen eingehen, sondern viel mehr auf das, was mir sozusagen im Subtext des Films auffiel.
Wie schon bei seinen Filmen Keinohrhasen und Zweiohrküken bietet Til Schweiger ein neues Role-Model für den modernen Mann an.
Ob die Figur des Ludo aus den eben genannten Filmen oder die neue Figur des Henry aus seinem aktuellen Film – eines ist ihnen gemeinsam:
Sie sind Herzensbrecher, erfüllen also gängige Männerklischees, was im aktuellen Film aber schon mehr als ausartet.
Ein riesen Vorrat an Kondomen wird begleitet von einer umfangreichen Sammlung  Einwegzahnbürsten, damit seine Eroberungen auch stets mit frischen Atem das Haus verlassen können.
Ja das fanden die Männer im Kino sicherlich ganz toll. So muss ein Mann sein…blabla…
Was aber jedem Film gemeinsam ist, ist die Entwicklung des Protagonisten. Vom Macho hin zum verständnisvollen und kinderlieben Mann, der Verantwortung übernimmt, dem traditionellen Rollenbild eines Mannes den Rücken kehrt und ihm eine Alternative aufzeigt.
Das ist sicher alles irgendwo ganz schön. Und ich bin auch immer wieder aufs Neue davon angetan, dass Til Schweiger in seinen Filmen latent versucht, sowas wie die Schaffung eines neuen Rollenbildes zu vermitteln. Vielleicht klappt es sogar bei dem Einen oder Anderen.
Was mich allerdings stört, und ich glaube, das hat etwas mit der Balance von Inhalt, Intention und Verkaufserfolg zu tun, ist, dass eben so typische Klischees wie Frauenheld, dumme Mädchen, etc. immer wieder bedient werden, damit der Film nicht allzu belehrend daher kommt.
Anscheinend ist das aber nötig, damit sich Männer mit der Figur des Henry identifzieren können und Frauen nach dem Film zu ihrem Mann sagen können, wie ein Mann auch sein kann – nämlich so wie der Henry.
Was dem Film auch von anderer Stelle (filmstarts.de) vorgeworfen wurde, ist die etwas klischeebehaftete Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund, welche im Film als Autohändler, als Haushaltshilfe oder als Schulhofgangster dargestellt werden.
Nun war ja nicht unschwer zu erkennen, dass der Film in Berlin spielt und sowas eben zu Berlin dazugehört. Aber: es ist nun mal ein Film mit einem sehr großen Publikum und wenn man  nur wieder die schon bekannten Stereotype bedient, vermitteln sie am Ende doch ein verzerrtes Bild der Realität. Denn viele Migranten haben sich auch ganz normale Existenzen aufgebaut; arbeiten als Rechtsanwalt, Arzt oder führen ein Unternehmen und bieten somit Menschen ein Einkommen.
Von daher muss ich diesem Kritikpunkt zustimmen.
Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits ist, dass dem Film bei allem Realitätsanspruch doch der Bezug zur Realität fehlt.
Die Eltern im Film sind zum Einen eine anscheinend recht erfolgreiche Unternehmerin und ein wohlhabender Kiefernchirurg. Auf der anderen Seite ist die große Liebe Henrys eine erfolgreiche Romanautorin und er später  auch ein erfolgreicher Drehbuchautor.
Am Ende arrangieren sich alle mit der Situation und wie man in den Schlussszenen und dem Abspann sehen kann, haben sie sehr viel Spaß dabei.
Nun wird man aber nicht ohne einen gewissen Bildungsabschluss, den ja alle Berufe als vorhanden vermuten lassen, in der Lage sein, die Situation so zu lösen.
Da sieht die Realität nämlich oftmals anders aus:
Eine Unterhaltsforderung von ca. 250.000 Euro wäre für viele Durchschnittsbürger das finanzielle Aus. Und auf so viel Geld verzichten könnten auch nur die Allerwenigsten.
Die im Film vorgestellte Lösung ist sicher eine sehr schöne und für Kinder wünschenswerte, jedoch nur in einem vollkommen intaktem Umfeld möglich, was mit ausreichend sozialem, kulturellem und nicht zuletzt ökonomischen Kapital ausgestattet ist.
Man stelle sich den ganzen Film nun mal so vor, dass die Eltern normale Angestellte wären oder die Mutter sogar arbeitslos ist bzw. in Mutterzeit, was ja vielmehr der Realität entspräche.
Auch gehört ein gewisser Intellekt dazu, um so umsichtig und verantwortungsbewusst zu handeln, wie es die Charaktere tun.

Trotz allem, ein wirklich sehenswerter Film.

  1. zu dem Thema fällt mir nur eins ein:

      • changinglifestyle
      • 15. April 2011

      Darf ich die Leere nach deinem Doppelpunkt, der ja etwas ankündigen sollte, so übersetzen, dass dir nichts dazu einfällt? ;)

  1. 18. Februar 2011

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