Wieso ist rosa eigentlich eine Mädchenfarbe?
Diese Frage stellte sich mir irgendwann mal in meinem Leben, denn ich konnte und wollte einfach nicht glauben, dass es einfach so ist.
Schaut man sich allerdings in der Realität um, vor allem in Kinderspielabteilungen, so kann man eigentlich kaum daran zweifeln, dass es jemals anders gewesen sein könnte.
Die Mädchenspielsachen sind von einer Farbe dominiert: pink.
Und auch wenn ich, wie heute, auf den Bus warte und ein von Kopf bis Fuß rosafarben bekleidetes Mädchen sehe, welches sogar ein rosafarbenes Fahrrad hat und rosafarbene Schutzausrüstung trägt, wird es mir wieder bewusst: rosa, das ist DIE Mädchenfarbe schlechthin.
Selbst in den Layouts von Frauenzeitschriften wie der Women’s Health findet rosa Verwendung.
Wie es aber dazu kam, dass rosa die Mädchenfarbe und blau die Jungenfarbe wurde, darüber soll der hier im Original zitierte Text informieren.
Warum kleine Mädchen rosa und kleine Jungen hellblau tragen
Die Verbindung von Farbe und Geschlecht hat sich im Lauf der Geschichte einmal komplett umgedreht
Kleine Jungs tragen hellblau, Mädchen rosa: Diese Vorstellung hat es schon immer gegeben – so scheint es. Tatsächlich aber ist der Brauch, Mädchen rosa und Jungen hellblau zu kleiden, weder uralt, noch ist Rosa eine Mädchenfarbe und Hellblau eine Jungenfarbe. Eigentlich war es früher genau umgekehrt, und erst vor etwa 80 Jahren kam es zu einem gänzlich entgegengesetzten Verständnis von Farbe und Geschlecht.
Jahrhundertelang wurde zumindest in nichtadligen Schichten kaum Gewese um Baby- und Kleinkindkleidung gemacht. Sie musste zuallererst funktional dem Babykörper und seinen Bedürfnissen – oder was man für dessen Bedürfnisse hielt – angepasst sein. Babys wurden stramm in natürlich weiße Windeln gewickelt. Kleinkinder, Jungen wie Mädchen, steckte man jahrhundertelang in bodenlange Kleider, zeigt die Textil-Expertin Ruth Bleckwenn in ihrer Doktorarbeit zu den “Gesellschaftlichen Funktionen bürgerlicher Kinderkleidung in Deutschland zwischen 1770 und 1900.”
Wie diese Bekleidung aussah, dokumentiert beispielsweise das Kinderbild “Master Hare” von Joshua Reynolds (Bild [http://tinyurl.com/3dyqu49 , d. Verf.]). Ohne den Bildtitel würde man heute das dargestellte Kind für ein Mädchen halten. Im 19. Jahrhundert, als allmählich das stramme Wickeln von Säuglingen aufgegeben wurde, war die Säuglingsbekleidung “das leichte, lockere Hemd, dessen Form wechselte und das leichte Jäckchen bzw. Röckchen ergänzen konnten”, schreibt Bleckwenn.
Die Farbe dieser Hemdchen und Jäckchen war weiß, denn die Kleidung von Kleinstkindern musste ja relativ häufig gewaschen werden. Waschmaschinen gab es nicht, und so war jeder Waschvorgang eine anstrengende und Zeit raubende Prozedur. Erst ab ungefähr 1900 gab es überhaupt kochfeste Farben.
Gleichwohl gab es auch farbig gekleidete Babys und Kleinkinder, wie man von Gemälden alter Meister weiß. Diese Kinder sind in der Regel Kinder von Adligen oder von Königen. Und hier sind Jungen, vor allem die Erstgeborenen oder Kronprinzen, oft in Rot gekleidet. Das zeigt beispielsweise das Gemälde von Johan Zoffany, auf dem er die Familie von König Georg III. von England verewigt hat (Bild [siehe Quelle oder alternativ: http://www.farbimpulse.de/typo3temp/pics/d3bde05c51.jpg , d. Verf.]).Das berühmteste Kind des Abendlandes, das Jesuskind, wird in der Regel nackt gemalt, aber wenn es ein Kleidungsstück anhat, dann ist es kaum blau.
Blau dagegen ist die Marienfarbe. Auf den meisten alten Marienbildern wie etwa denen von Albrecht Dürer oder Stephan Lochner trägt Maria einen blauen Schleier oder ein blaues Kleid. “Noch zu Königin Viktorias Zeit wäre kein Betrachter auf die Idee gekommen, ein rosa gekleidetes Baby für ein Mädchen zu halten”, erklärt die Psychologin Eva Heller in ihrem Buch “Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken”. Sie weist nach, dass Blau im Wesentlichen eine weibliche Farbe war, während Rot jahrhundertelang als männliche Farbe galt.
Eva Heller weist auch darauf hin, dass der Familienname Rot(h) sehr häufig ist, während der Familienname Blau ausgesprochen selten ist. Tatsächlich finden sich etwa im Hamburger Telefonbuch über 230 Einträge für “Roth”, über 1000 für “Schwar(t)z”, aber nur ganze 15 für “Blau”. “Grün” ist ebenfalls selten, aber immerhin heißen noch 35 Anschlussinhaber so. Die Seltenheit des Familiennamens “Blau” erklärt Heller eben damit, dass es von jeher als weibliche Farbe galt, Familiennamen aber über die männliche Linie weitergegeben wurden.
Auf die Verbindung der Farbe Rot und männlichen Eigenschaften weist auch hin, dass Rot einst eine der vorherrschenden Militärfarben war, als die Soldaten noch in farbenprächtigen Uniformen in den Krieg zogen. Die Truppen wollten für den Gegner deutlich sichtbar sein. Schließlich wollte man ihn mit der Größe des eigenen Heeres beeindrucken. Im Ersten Weltkrieg erhöhte sich die Reichweite der Geschosse, sodass es jetzt sinnvoll wurde, getarnt von einem geschützten Ort aus seine Waffe abzufeuern: Die Uniformen wurden grau. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand das bisher in der zivilen Männermode immer noch präsente Rot endgültig.
Jetzt drang ins Bewusstsein, dass Matrosen ja Blau trugen, ebenso die Arbeiter. Blau erschien zunehmend als eine männliche Farbe und hellblau (das kleine Blau) war entsprechend die Farbe für kleine Jungen. Doch diese Entwicklung ist, so Heller, kaum vor 1920 auszumachen. Um diese Zeit wurden auch erst die Strampelhosen erfunden. Inzwischen war auch die Waschmaschine erfunden und die Farben waren kochfest geworden. Dem Farbigwerden der Babykleidung im Bürgertum stand nichts mehr im Wege. Da wurden die Farben den Geschlechtern zugeordnet, wie man sie in jener Zeit – und bis heute – gerade empfand.
Quelle: http://www.farbimpulse.de/Warum-kleine-Maedchen-rosa-und-kleine-Jungen-hellblau-tragen.185.0.html
Ich finde es immer wieder spannend, wie etwas scheinbar Selbstverständliches gar nicht so selbstverständlich ist, sondern lediglich Resultat eines Prozesses ist, der durch verschiedene Umstände begleitet wurde.
Noch erstaunlicher finde ich es allerdings, dass das Wissen der “richtigen” Zuteilung von Farben zum Geschlecht so tief in den Köpfen ist, dass es fast schon als natürlich angesehen wird.
Ich bin gespannt, ob es nicht in naher Zukunft noch einmal zu einem Farbwechsel kommt, der vielleicht nicht mehr zwischen Jungen und Mädchen trennt.
Es wurde erläutert, dass Farben in Baby/Kindermoden überhaupt erst vor 80 Jahren entstanden und dass rot zu der Zeit als Farbe der Soldaten verschwand.
Rot ist heute aber immer noch eine Farbe “männlicher” Autos, da rote oder dunkelgrüne Autos als sportlicher und lauter wahrgenommen werden (Psychoakustik) und sich so besser verkaufen.
Es wurde nicht beschrieben, warum rot zu einer Frauenfarbe wurde, außer durch den bloßen “Tausch”.
Was du schreibst stimmt schon.
Ein Grund dafür liegt eben in dem “Tausch”, bei dem Jungs die Farbe blau zugewiesen wurde. Und da es zu der Zeit bestimmt nicht gänzlich unbekannt war, dass rot eine sehr häufig verwendete Farbe war, kam jemand evtl. auf die Idee, diese einst so präsente Farbe für die Mädchen zu verwenden. Das würde in der Folge dann vielleicht Trend, wer weiß?!
Weitere Spekulation wie es dazu kam, wäre meiner Meinung nach, dass Menschen anscheinend irgendwie dazu neigen, alles kategorisieren zu müssen und somit erschien es für die Menschen damals irgendwie logisch, dass die Geschlechtsunterschiede, eben auch durch unterschiedliche Farben betont werden sollten.
Psychologische Faktoren, wie du sie bei den roten Sportwagen anführst, haben mit der Farbzuschreibung gewiss auch zu tun.
Dann spielte sicher auch der Wechsel vom Ein-Geschlechter-Modell zum Zwei-Geschlechtsmodell eine Rolle, die den damaligen Zeitgeist nicht unbedeutend prägte.( http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/d2969daf-f21b-4bd6-8c03-ba60027e33e0.aspx)
Irgendwann hat sich das „Farbschema“ dann im Laufe der Zeit verfestigt und ist so wie es heute ist.
Also, der Tausch wird nicht der Alleingrund gewesen sein, sondern es wird an den verschiedensten Faktoren gelegen haben – jedoch, ist die Teilung in keiner Weise natürlich.
Das wollte ich eigentlich mit diesem Beitrag nur zeigen.
Tja, und da hast du Recht, der Text informierte eher, darüber wie das blau zu den Jungen kam und setzt auf eine gewisse Umkehrlogik für die Farbzuweisung bei den Mädchen, wobei mehr auf das rot, statt auf das rosa geblickt wird.
Vielleicht werde ich den Text in naher Zukunft noch mal durch weitere Infos ergänzen.
Von daher danke, für die Hinweise.
“Tausch” kann mensch das nicht so nennen.
Schuld daran war der ersten Weltkrieg- nachdem tausende Männer (und Jungs) umkamen, wurde aus materieller/finanzieller Knappheit Männerkleidung in Frauenkleidung umfunktioniert.
Hab ich jedenfalls so gehört und gelesen. Einen Buchbeleg kann ich jetzt aber leider nicht bringen.
“Schuld” finde ich in dem Bezug zu stark. Das wirkt so, als wäre es die alleinige Ursache dafür gewesen.
Der erste Weltkrieg hatte sicher mit Schuld daran, aber wie ich im Kommentar zuvor schon geschrieben habe, spielen hier ganz bestimmt viele verschiedene Faktoren mit rein, die am Ende zu dieser Farbzuschreibung geführt haben.
Also ich finde die Erklärung nicht schlüssig.
Zudem ist im Text von Rot die Rede, nicht von Rosa. Und das klassische Rot als Macht- und Signalfarbe ist keineswegs eine “Mädchenfarbe”, sondern weiterhin männlich assoziiert.
Das es jemals einen Farbtausch bei Geschlechtszuordnung bei Kleinkindern gab, davon ist im Text nicht die Rede.
Insofern denke ich das Rosa nicht das “kleine Rot” ist sondern sich assoziativ eher aus der Farbe der Baby-/Kinderhaut ableitet. Damit ist Rosa (und Pink als kräftigere, leicht entfremdete Variante) eher eine Unterstützung des Niedlichkeitstriggers und des ganzheitlichen Kindchenschemas.
Mädchen wollen niedlich sein (instinktiv als Besänftigungs-/beschwichtigungszeichen, eine Bewußtseinsebene darüber weil sie darauf vom Umfeld konditioniert werden – Stichwort: Belohnung durch positive Aufmerksamkeit) und präferieren daher rosa, pink, warme Pastelltöne. Das findet dann als sich selbst verstärkenden Prozess seinen Höhepunkt in rosafarbenen Fahrradhelmen
Jungs wird der Abgrenzungszwang von Mädchen ansozialisiert und deswegen “müssen” sie alles ablehnen was mit Mädchen verbunden ist. Durch die totale weibliche Diskurshoheit müssen sie daher nehmen “was übrig ist”.
Im übrigen kann man mit einem hellblauen Shirt, auf dem Prinzessin Lillifee drauf ist, Jungs genauso entsetzen wie mit einem rosafarbenen, unbedruckten Shirt